Optimale Bedingungen für alle Lerntypen schaffen: Die 5 Lernerprofile
Weiterbildungsprogramme sind für jedes Unternehmen unerlässlich. Sie sorgen für die Agilität des Unternehmens, unterstützen die Einsatzfähigkeit der Mitarbeiter:innen und tragen zur Bekämpfung von Fachkräftemangel und Qualifikationsdefiziten bei. Gleichzeitig können sie auch die Motivation und Bindung der Mitarbeiter:innen verbessern, da diese die Chance erhalten, ihre Skills und Qualifikationen und damit auch ihre beruflichen Aussichten zu verbessern. Wenn Unternehmen in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter:innen investieren und ihnen dabei helfen, ihre Fähigkeiten auszubauen, um beruflich voranzukommen, empfinden die meisten Mitarbeiter:innen ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl und bleiben mit höherer Wahrscheinlichkeit dem Unternehmen treu. Daher unterstützen gut durchdachte Weiterbildungsprogramme die Strategie und das Wachstum des Unternehmens und helfen bei der Lösung unternehmensinterner Probleme und Bedürfnisse.
Unternehmensweite Investitionen in maßgeschneiderte Weiterbildungsprogramme sind in vieler Hinsicht so wichtig wie nie zuvor. Laut dem Weltwirtschaftsforum geben 60 % der Unternehmen weltweit an, dass die Unternehmenstransformation durch Qualifikationsdefizite in ihren lokalen Märkten verzögert wird [1].
Allerdings gehört zu effektiver Weiterbildung natürlich mehr als nur Möglichkeiten, Ressourcen und Kurse bereitzustellen. Man braucht ein Verständnis dafür, welche Lernerprofile in der Belegschaft vorhanden sind, und man sollte wissen, welche Motivationen, Verhaltensweisen und Bedingungen den einzelnen Mitarbeiter:innen helfen, am besten zu lernen. Wenn Unternehmen sich die Zeit nehmen, diese Unterschiede zu erkennen, können sie Lernerfahrungen bereitstellen, die persönlicher, ansprechender und letztendlich effektiver darin sind, die Fähigkeiten aufzubauen, die für sie am wichtigsten sind.
In diesem Bericht präsentieren wir die Ergebnisse unserer Untersuchungen zu Lernmotivation, Lerneinstellung und Erfolgsmessung, aus denen wir fünf Lernerprofile ableiten konnten. Wir beschreiben, wie die einzelnen Gruppen jeweils am besten lernen, und geben Manager:innen und Weiterbildungsbeauftragten wichtige Hinweise zur Entwicklung eines effektiven Lerndesigns. Die folgenden fünf Lernerprofile sehen wir uns genauer an:
- Enthusiastische Lerner:innen
- Soziale Lerner:innen
- Selbstverantwortliche Lerner:innen
- Aufstrebende Lerner:innen
- Pragmatische Lerner:innen
Was ist ein Lernerprofil?
Ein Lernerprofil ist eine forschungsbasierte Momentaufnahme der Einstellungen, Motivationen und Verhaltensweisen, die prägen, wie eine Person das Lernen angeht. Anstatt statische Eigenschaften zu beschreiben, hebt ein Lernerprofil die Muster hervor, die beeinflussen, wie jemand mit neuen Informationen umgeht, auf Strukturen reagiert, Unterstützung sucht und während der Lernreise motiviert bleibt. Profile helfen, die vielfältigen Lernweisen von Menschen zu verstehen, z. B. ob sie praxisorientierte Übungen, strukturierte Anleitungen, selbstständiges Erkunden oder gemeinsames Lernen bevorzugen.
Das Verständnis von Lernerprofilen gibt Führungskräften eine praktische Möglichkeit, Lernerfahrungen zu gestalten, die für verschiedene Lerntypen in der Belegschaft geeignet sind. Da sich die Bedürfnisse und Ausgangspunkte der einzelnen Lerner:innen immer unterscheiden werden, dienen diese Profile als Leitfaden zur Erstellung von Programmen, die inklusiver, ansprechender und effektiver sind. Es wird auch berücksichtigt, dass es ein ganzes Spektrum von Lernverhalten gibt und diese je nach Kontext, Arbeitsbelastung oder den zu erlernenden Fähigkeiten variieren können.
Am wichtigsten ist, dass Lernerprofile Unternehmen die Möglichkeit geben, individuelle Schulungen anzubieten. Indem sie erkennen, was Mitarbeiter:innen motiviert und welche Herausforderungen sie haben, können Lernmanager:innen Umgebungen entwickeln, in denen sich jede:r Einzelne unterstützt und befähigt fühlt, um effizient zu lernen – dies führt letztendlich zu stärkeren Ergebnissen sowohl für Lerner:innen als auch für das Unternehmen.
Warum maßgeschneidertes Lernen wichtig ist
Damit Weiterbildungsprogramme einen signifikanten Einfluss auf die Unternehmensstrategie haben und maximale Ergebnisse für die Belegschaft und das Unternehmen bringen können, müssen sie ansprechend, individuell angepasst und für alle zugänglich sein.
Hierfür ist eine personalisierte Wissensvermittlung erforderlich, bei der die besten Methoden zur Unterstützung aller Lerntypen zum Einsatz kommen.
Damit dir das gelingt, haben wir die neuesten Udemy-Forschungsergebnisse in diesem Bericht zusammengefasst. Mit einem besseren Verständnis der Lernerprofile und des entsprechenden Lernverhaltens unter den Mitarbeiter:innen können Führungskräfte im Personalentwicklungsbereich und Personalmanager:innen alle Mitglieder ihrer Teams besser dabei unterstützen, sich optimal weiterzubilden. Wenn dieser Ansatz konsequent verfolgt wird, profitieren nicht nur das Unternehmen, sondern auch die einzelnen Mitarbeiter:innen enorm, da sie ihr Qualifikationsspektrum erweitern und ihre berufliche Weiterentwicklung vorantreiben können.
Wie Unternehmen Lernerprofile für sich nutzen können
Bevor wir uns die Details anschauen, muss klar sein, was die Lernerprofile aussagen können. Zuerst einmal dürfen wir diese Profile nicht als fixe Kategorien ansehen, sondern als Hilfsmittel zur Erkennung von Tendenzen, die wir je nach Kontext möglicherweise alle haben.
Wie bei Persönlichkeitstypen lassen sich die meisten ganz klar einem bestimmten Typ zuordnen, befinden sich aber allgemein in einem gewissen Spektrum, dessen Ausprägung je nach Tagesform variiert. Jahrzehnte der Forschung über das menschliche Verhalten haben uns gezeigt, dass es bei den Gründen für bestimmte Verhaltensweisen immer auf den Kontext ankommt. Das bedeutet, dass unser Lernverhalten nicht nur von angeborenen Tendenzen oder Merkmalen abhängt, sondern auch von der Umgebung und Situation bestimmt wird, in der wir lernen.
Während einzelne Lerner:innen die Einstufung in die verschiedenen Lernprofile dazu nutzen können, um gezielter auf ihre Stärken und Schwächen einzugehen, sollten Manager:innen die Lernumgebung des Unternehmens anhand der Profile so anpassen, dass alle Anforderungen bestmöglich berücksichtigt werden.
Beispielsweise ist es für Weiterbildungsbeauftragte besonders interessant, zu erfahren, welche Lernerprofile auf mehr Struktur und Führung angewiesen sind und welche Lerner:innen eine freiere Form des Lernens vorziehen.
Jedes Lernerprofil hat eine andere Beziehung zum Lernen. Wenn die verschiedenen Motivationen und Herausforderungen der einzelnen Lerntypen berücksichtigt werden und damit das Lerninteresse gesteigert wird, profitieren alle Mitarbeiter:innen von einer effektiveren Lernumgebung, um die Anforderungen im heutigen Berufsalltag zu meistern. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Integration verschiedener Lernstile innerhalb von Teams oder Lerngruppen. Darauf werden wir später ausführlich eingehen.
In diesem Bericht präsentieren wir die Ergebnisse unserer Untersuchungen zu Lernmotivation, Lerneinstellung und Erfolgsmessung, aus denen wir fünf Lernerprofile ableiten konnten.
Wir beschreiben, wie die einzelnen Gruppen jeweils am besten lernen, und geben Manager:innen und Weiterbildungsbeauftragten wichtige Hinweise zur Entwicklung eines effektiven Lerndesigns. Die Erkenntnisse dieses Berichts stammen aus einer Umfrage, die wir 2023 unter ca. 12.000 Privat- und Business-Onlinelerner:innen weltweit durchgeführt haben.
Profil 1: Enthusiastische Lerner:innen
Enthusiastische Lerner:innen sind immer auf der Suche nach neuem Wissen. Sie lernen mit Begeisterung und brauchen keinen externen Antrieb, denn das Lernen an sich ist für sie Belohnung und Motivation zugleich. Sie interessieren sich für die verschiedensten Themen und lernen das, worauf sie Lust haben und was sie interessiert, aber auch, was sie in ihrer Karriere voranbringt. Lernen gibt ihnen Selbstvertrauen und sie lernen einfach gern neue Dinge und neue Skills, um ihr Wissen zu erweitern – egal, um welches Thema es sich handelt.
Diese Lerner:innen bevorzugen das selbstbestimmte Lernen in ihrem eigenen Tempo. Da sie von Wissbegierde angetrieben werden, sind sie tendenziell eher individualistisch in ihrem Lernverhalten und möchten unabhängig bleiben. Als Erfolgskriterium ist für sie das Gefühl der Selbstverwirklichung wichtiger als irgendeine Bestätigung von außen.
Einstellungen zum Lernen
Enthusiastische Lerner:innen lernen gern selbstbestimmt und in ihrem eigenen Tempo, weil ihnen das Lernen einfach Spaß macht. Sie nutzen jede Gelegenheit, die sich bietet, um auch zwischendurch mal schnell eine Lerneinheit einzulegen. Ihnen geht es um den Lernprozess selbst, daher lernen sie nicht so gern auf ein bestimmtes Ziel hin, wie z. B. eine Zertifizierung oder einen Badge, sondern bevorzugen das offene Lernen. Herausforderungen bestreiten sie gern gegen sich selbst statt gegen andere.
So macht diesem Lernerprofil das Lernen Spaß
Enthusiastische Lerner:innen folgen am liebsten ihrer eigenen Inspiration, wenn es um neue Themen oder Ideen zum Lernen geht. Lernziele legen sie sich lieber selbst fest und sie tendieren dazu, Informationen am besten zu verarbeiten, wenn sie sehen, wie etwas funktioniert. Hierfür ist die Umsetzung des Gelernten in die Praxis durch anwendungsorientierte Übungen besonders wichtig. Individuelle Empfehlungen, Hinweise zum Erreichen der Lernziele oder vorgegebene Zeitpläne sind für enthusiastische Lerner:innen eher nebensächlich.
Hinweise für Führungskräfte und Lernmanager:innen
Enthusiastische Lerner:innen gehören in vielerlei Hinsicht zu den unkompliziertesten Lernerprofilen, da sie von sich aus viel Motivation und Lernfreude mitbringen. Diese Lerner:innen brauchen keine externen Anreize, um die Zeit und die Energie aufzubringen, etwas Neues zu lernen.
Weiterbildungsbeauftragte und Manager:innen müssen jedoch herausfinden, wie sie die Energie dieser Lerner:innen in die Weiterbildungsinitiativen lenken, von denen das Unternehmen am meisten profitiert. Da die Lerner:innen in diesem Profil am liebsten selbstbestimmt lernen, ist der größte Aufwand wahrscheinlich dafür erforderlich, sie dazu zu bewegen, den vorgegebenen Lernzielen oder Lernpfaden zu folgen. Meist ist die Weiterbildung am Arbeitsplatz auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet, daher muss diese Gruppe davon überzeugt werden, die vorgegebene Lernstruktur mit Zweck, Zeitplan und Lernziel einzuhalten.
Nutze Lernerprofile, um deine Belegschaft mit Udemy Business weiterzubilden
Die Berücksichtigung von Lernerprofilen hilft Unternehmen enorm dabei, Schulungsprogramme zu entwickeln, die auf die Mitarbeiter:innen eingehen. Wenn Lernmanager:innen die Motivationen, Präferenzen und Herausforderungen verstehen, die beeinflussen, wie Menschen lernen, können sie Erfahrungen gestalten, die mehr Engagement, eine stärkere Skills-Entwicklung und einen größeren Nutzen für das Unternehmen zur Folge haben. In einer Umgebung, in der sich Skills schneller als je zuvor weiterentwickeln, helfen diese detaillierten Einblicke Unternehmen dabei, agil zu bleiben und ihre Belegschaft auf die Zukunft vorzubereiten.
Dieser Überblick stellte nur eines der fünf Profile vor, die wir in unserer Forschung herausgearbeitet haben. Es gibt jedoch noch viel mehr darüber zu lernen, wie diese Profile dein Unternehmen beeinflussen können. Lade den vollständigen Bericht herunter, um detaillierte Informationen zu den anderen vier Profilen zu erhalten und zu erfahren, wie jedes einzelne deine Lernstrategie um einzigartige Stärken und Aspekte bereichern kann:
- Soziale Lerner:innen
- Selbstverantwortliche Lerner:innen
- Aufstrebende Lerner:innen
- Pragmatische Lerner:innen
Quellen
- Weltwirtschaftsforum: „Putting Skills First: Opportunities for Building Efficient and Equitable Labour Markets“